Zahl des Monats18,4

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25 Jahre nach dem Mauerfall ist zwischen Ost und West kein Unterschied hinsichtlich der Anzahl abgegebener Fertigarzneimittel erkennbar

DAPI Zahl des Monats September 2015 - Berlin

Foto: illpos/Shutterstock.com

Auch 25 Jahre nach der Herstellung der Einheit Deutschlands lassen sich in verschiedenen Bereichen des Gesundheitssektors Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern erkennen, wobei der seit Jahren anhaltende Trend einer Annäherung zwischen Ost und West sich größtenteils fortzusetzen scheint [1]. Herauszufinden, ob sich in diesen beiden Regionen der Arzneimittelgebrauch im Jahr 2014 unterscheidet, war Ziel einer kürzlich durchgeführten Untersuchung des DAPI.

Im Jahr 2014 wurden in öffentlichen Apotheken, ohne Berücksichtigung der Abgaben in der Selbstmedikation, auf Privatrezept und im Sprechstundenbedarf, in den ostdeutschen Bundesländern inklusive Berlin (= „Ost“) 133,0 Millionen Fertigarzneimittelpackungen zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgegeben. Die entsprechende Anzahl in den westdeutschen Bundesländern ohne Berlin (= „West“) belief sich auf 477,5 Millionen Packungen. Bezieht man diese rohen Absatzzahlen auf die Anzahl an GKV-Versicherten in den beiden Regionen gemäß KM6-Statistik [2], lässt sich im Osten ein im Vergleich zum Westen um etwa 8 % erhöhter Arzneimittelgebrauch erkennen mit etwa 9.260 versus 8.590 Packungen pro 1.000 GKV-Versicherte.

Allerdings können regional heterogene demographische und epidemiologische Faktoren einen Einfluss auf die Morbidität, damit auf die Menge der verordneten Arzneimittel und somit zu dem beobachteten Unterschied zwischen Ost und West beigetragen haben. Da das Alter eines Patienten einen entscheidenden Faktor für die Höhe des Arzneimittelgebrauches darstellt und die Altersstruktur sich zwischen beiden Regionen deutlich unterscheidet [2], sollte in der Auswertung der beobachtete Arzneimittelgebrauch für den Einfluss des Alters (in den Arzneimittelabrechnungsdaten als Geburtsjahr verfügbar) korrigiert werden. Hierfür kam das Verfahren der direkten Altersstandardisierung zur Anwendung. Der beobachtete regionale Arzneimittelgebrauch pro 1.000 GKV-Versicherte in den einzelnen Altersgruppen wurde dabei mit der Anzahl an Personen in den jeweiligen Altersgruppen einer Standardpopulation gewichtet und diese gewichteten Werte wiederum zum direkt altersstandardisierten Arzneimittelgebrauch aufaddiert. Als Standardpopulation wurde die Grundgesamtheit der GKV-Versicherten des Jahres 2014 herangezogen [2]. Andere bekannte oder potentielle Einflussfaktoren auf den Arzneimittelgebrauch wie tatsächliche Unterschiede in der Morbidität oder Unterschiede im Arzneimittelverordnungsverhalten sind in den Arzneimittelabrechnungsdaten des DAPI nicht enthalten und waren somit in der Auswertung nicht untersuchbar.

Nach Anwendung der direkten Altersstandardisierung war ein erhöhter Arzneimittelgebrauch im Osten nicht mehr zu erkennen: Nun lag der Westen mit etwa 8.750 sogar minimal über dem Osten mit 8.650 Fertigarzneimittelpackungen pro 1.000 GKV-Versicherte. Im Bundesdurchschnitt waren es etwa 8.730 Fertigarzneimittelpackungen pro 1.000 GKV-Versicherte.

An diesem Beispiel lässt sich anschaulich zeigen, dass es bei regionalen Vergleichen in der Arzneimittelversorgung von großer Bedeutung ist, die Altersstruktur (sowie, falls möglich, auch weitere Einflussfaktoren) einzubeziehen, ehe Schlussfolgerungen über regionale Unterschiede gezogen werden, die möglicherweise lediglich auf Unterschieden in diesen Kenngrößen beruhen.


[1] Prütz F, Rommel A, Kroll LE, Lampert T (2014) 25 Jahre nach dem Fall der Mauer: Regionale Unterschiede in der Gesundheit. Hrsg. Robert Koch-Institut, Berlin. GBE kompakt 5(3) www.rki.de/gbe-kompakt (zuletzt aufgerufen am 24.10.2014)
[2] Bundesministerium für Gesundheit, Statistik über Versicherte gegliedert nach Status, Alter, Wohnort und Kassenart zum 1.Juli 2014 (Stand 18.08.2014) verfügbar unter http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/zahlen-und-fakten-zur-krankenversicherung/mitglieder-und-versicherte.html

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